Gemeindewerkstatt eröffnet

Handgemacht macht glücklich

Gemeindewerkstatt eröffnet / verschiedene Workshopleiter gesucht

Pfarrer Siegfried Schmidt strahlt: „Mit der Eröffnung unserer Gemeindewerkstatt geht heute ein langgehegter Traum in Erfüllung." Immerhin fünf Jahre sind vergangen, seitdem sich der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Schlitz zum ersten Mal mit der Idee beschäftigte, eine Gemeindewerkstatt einzurichten. Am vergangenen Sonntag konnten die Räumlichkeiten begleitet von einem Gottesdienst feierlich eröffnet werden.

„Das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, macht einfach glücklich." berichtete der Seelsorger aus eigener Erfahrung. Es seien die selbstgemachten Dinge, die einen besonderen Wert haben und die einen oft ein Leben lang begleiten.

An einer Werkbank führten die Geschwister Juliane, Georg und Christoph Wahl den Gottesdienstbesuchern fachkundig vor, wie man einen Nagel oder eine Schraube an der richtigen Stelle in einem Brett versenkt, ohne dass sich das Holz dabei spaltet und wie man mit Schraube und Mutter zwei Bretter verbindet. „Vielleicht treffen in der Gemeindewerkstatt Menschen aufeinander, weil das gemeinsame Tun ihrer Hände sie verbindet und nicht ihre Standpunkte oder ihre Sprache.", so die Hoffnung der Gemeindepädagogin Maren Gebhard. „Zum Glück gehört auch, dass man nicht alleine bleibt mit dem, was man kann.", fügte sie hinzu.

Pfarrer Siegfried Schmidt dankte bei einem kleinen Empfang den unzähligen Helfern und Sponsoren, die sich von der Idee der Gemeindewerkstatt begeistern ließen. (Foto: Michaela Scharff)Der Phantasie zum gemeinsamen Selbermachen sind in der Gemeindewerkstatt keine Grenzen gesetzt. Auf 200 Quadratmetern kann in insgesamt vier Werkräumen geschraubt, gebohrt, gebastelt, getöpfert, gesägt oder gemalt werden. Die Werkbänke bieten Platz für bis zu dreißig Personen. Staffeleien, Schraubstöcke, Lötkolben und sogar ein Brennofen stehen zur Verfügung und im angrenzenden Materiallager stapeln sich die Werkzeugkisten.

„Wir bieten hier für sehr verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Begabungen einen Raum, sich auszuprobieren, einander zu helfen und gute Gemeinschaft zu erleben." erläutert Pfarrer Schmidt das Anliegen des Kirchenvorstandes.

Ein echtes Gemeinschaftswerk sei bereits die umfangreiche Renovierung der Räume gewesen. Stellvertretend für die unzähligen ehrenamtlichen Helfer wurden Wolfgang Wahl, Rudolf Minks, Gottfried Ickler und Waldemar Knöll genannt. „Sie haben ganz besonders oft zugepackt.", lobte Siegfried Schmidt. Dass die Hauseigentümer, das Ehepaar Klaus Scheele und Susanne Blank, nicht nur langjährige Förderer der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit sind, sondern der Kirchengemeinde auch die Räume der ehemaligen Druckerei Guntrum günstig zur Verfügung stellen, blieb nicht unerwähnt. Zahlreiche Firmen aus Schlitz und Umgebung halfen mit Werkzeug- und Materialspenden. Banken, Stiftungen und Vereine der Region leisteten, von der Idee begeistert, finanzielle Unterstützung. Auch das Evangelische Dekanat Vogelsberg beteiligte sich mit einem Zuschuss.

Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer lobte das Projekt Gemeindewerkstatt als einen wichtigen Baustein für das Miteinander in der Stadt Schlitz. Ob Erntefest, Schlachtfest oder Spinnstube - früher habe es zahlreiche Gelegenheiten gegeben, bei denen Menschen ins Gespräch kamen und miteinander feierten, erinnerte das Stadtoberhaupt. „Heute hingegen sitzen Kinder stundenlang alleine vor einem Bildschirm, könnten mit der ganzen Welt kommunizieren, sind aber nicht in der Lage mit dem Nachbarskind zu spielen.", beklagte Schäfer und erntete zustimmenden Applaus. Die Gemeindewerkstatt sei ein kleiner Baustein, den Problemen dieser Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, „Mögen die Räume allezeit voll und die Stimmung fröhlich sein", schloss Schäfer seine Rede im „Werkraum Eins".

Viele Hände haben das Projekt Gemeindewerkstatt auf den Weg gebracht. Nun ist es an der Zeit, dass sich die Räume füllen. Dafür werden Kirchengemeinde und Bürgerschaft allerdings selbst sorgen müssen, denn es gibt keinen angestellten Werkstattleiter, der dies hauptberuflich in die Hand nimmt. Schulen, Horte, Kindertagesstätten ebenso wie Vereine, Gruppen und Kreise sind eingeladen, sich zu beteiligen. „Wir suchen Menschen, die etwas können und die es anderen zeigen können.", so der Aufruf des Beirats Gemeindewerkstatt. „Nun sind wir gespannt, auf die phantasievollen Ideen der Menschen und freuen uns auf ein kreatives Miteinander in unserer Stadt."

(Michaela Scharff, Öffentlichkeitsbeauftragte Dekanat Vogelsberg)

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